Und immer wieder die Zeit – Alan Lightman (1992)

17. November 2007 Belletristik, Neueste Literatur
Buchempfehlung von Jan Schuster

Angenommen, die Zeit ist ein Kreis, in sich gekrümmt. Die Welt wiederholt sich, exakt, endlos.

Das ist Science Fiction ohne Fiction. Albert Einstein hat sich damals im Schweizer Patentamt in Bern diese und viele andere Fragen gestellt und sie auf eine Weis beantwortet, die ihn auch über 100 Jahre später zu eine Legende der Naturwissenschaft macht. Alan Lightmann, selbst ein Physiker am MIT, schreibt auf, was Einstein wohl geträumt haben mag, wenn er in seine spezielle Relativitätstheorie in Tagträume eintauchte.

Letztendlich ist das Buch natürlich trotzdem Fiktion, denn die Welt, die Einstein sich denkt, ist natürlich weit weg von uns bekannten Konventionen. Wenn Geschwindigkeit den Alterungsprozess abschwächen kann, werden natürlich immer höher Hochhäuser gebaut werden müssen, in denen die Reichen ganz oben wohnen können. Welche Auswirkungen könnte es geben, wenn der Mensch die Zeit überwinden könnte? Denn immerhin ist Zeit relativ, eine Revolution! ZWei Uhren ticken ungefähr in der gleichen Geschwindigkeit.

Es gibt einen Ort an dem die Zeit still steht. Regentropfen hängen in der Luft. Uhrpendel schweben in halben Schwung. Hunde heben die Schnauze in stummen Geheul. (…) Nähert sich ein Reisender diesem Ort aus beliebiger Richtung, so verlangsamen sich seine Bewegungen mehr und mehr. Die Abstände seines Herzschlages werden größer, seine Atmung wird langsamer, seine Temperatur sinkt, seine Gedanken lassen nach, bis er das leblose Zentrum erreicht und erstarrt. Denn dies ist der Mittelpunkt der Zeit.

Gedanken verschlungen in der Schweizer Provinz. Zusammen mit seinem Freund Besso verbringt Einstein ein Leben fernab der wissenschaftlichen Zentren der Welt und wird mit seiner uns allen bekannten schlurigen Art der Physiker des 20. Jahrhunderts werden. Tatsächlich darf doch gewaltig bezweifelt werden, dass Einstein tatsächlich eine derartige Poesie entwickelte wie Alan Lightman uns das aufzeigt. Aber die Unbedarftheit und die Konsequenz der Gedankenwelt Einsteins in diesem Buch macht einfach Spaß beim lesen.

Wer pilgert wohl zum Zentrum der Zeit? Eltern mit Kindern und Liebende.

Ich habe dieses Buch schon oft – und mit Vorliebe an Naturwissenschaftler insbesondere Physiker verschenkt. Es ist ein kleines, aber feines Buch über die Poesie der Physik, als Taschenbuch bei Knaur für 7,95€.


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