Fast alles über Fußball – Christoph Biermann (2005)

Auf der Frankfurter Buchmesse im Jahr 2005, also 9 Monate vor der Fußballweltmeisterschaft in Deutschland, gab es eine ganze Ausstellungshalle für Bücher zum Thema Fußball. Dort hatten sie auch ein kleines Fußballfeld mit Banden aufgebaut, wo Hobbymannschaften gegeneinander spielten und Eintracht-Legende Dragoslav Stepanovic den Schiedsrichter mimte. In dieser Halles stellte also Christoph Biermann sein neues Buch Fast alles über Fußball vor. Interviewt wurde dabei von seinem Freund Manuel Andrack, den man ja erst neulich und traurigerweise von der Seite Harald Schmidts weggeekelt hat.

In Fast alles über Fußball steht wenig überraschend fast alles über Fußball. Das geht von sämtlichen auf Nandrolon positiv getesteten Fußballspielern, über die Aufstellung von Deutschland gegen Griechenland in Monty Pythons Philosophenfußballspiel (ein Klassiker), die besten Bundesligaaufsteiger, die torreichsten Weltmeisterschaften, sämtliche Fußballklubs von Buenos Aires der ersten 3 brasilianischen Ligen, die kürzesten Karrieren in der deutschen Nationalmannschaft, die größten Elfmetertöter, die Top 11 der DDR-Oberliga, usw. usf. So wenig überraschend dies alles ist, umso lustiger liest sich das. Und auch wenn man als Fußballfanatiker immer auch einen Hang zu sinn- oder vielleicht auch nur nutzlosen Statistiken hat, braucht man sich nicht nur in Tabellen zu suhlen. Da werden Geschichten erzählt, wie die aus Südamerika, in der wegen Fußball ein Krieg ausbrach, es wird genau erklärt, was ein Kreuzbandriss ist, exemplarisch wird die Lebensgeschichte zweier jüdischer deutscher Nationalspieler skizziert, es wird den etymologischen Wurzeln einiger Vereinsnamen nachgegangen und vieles mehr.

Es sind eben selten die Dinge, die man schon immer wirklich wissen wollte (jetzt mal ohne die Abseitsregel, die natürlich obligatorisch schön illustriert erklärt wird), es sind vielmehr Dinge und Geschichten, die den Fußball zu dem machen, was es ist. Eben ein Stückchen mehr als Sport oft alleine ist. Fußball ist das Leben, und deshalb noch diese Geschichte.

Der Irre Kampf ums Eigentor
Als Grenada zum Länderspiel in Bridgetown, Barbardos antrat, war die Ausgangslage klar: Barbardos musste das letzte Gruppenspiel im Karibik-Pokal 1994 gegen Granada mit zwei Toren Unterschied gewinnen, um die Finalrunde zu erreichen. Mitte der zweiten Halbzeit war das Wunschergebnis erzielt, als einem Verteidiger von Barbardos ein Eigentor zum 2:1-Zwischenstand unterlief. In diesem Moment dämmerte den Spielern und Betreuern von Barbardos, dass es für sie vielleicht besser wäre, sich in die Verlängerung zu retten, als nur 2:1 zu gewinnen. Die Regeln des Turniers sahen nämlich vor, dass ein Golden Goal in der Verlängerung doppelt zählt.

Dazu musste Barbardos die eigene Führung jedoch erstmal ausgleichen, und so drosch einer ihrer Spieler in der 87. Minute den Ball ins eigene Tor. Jetzt blieben dem Team aus Grenada in den letzten drei Minuten nur zwei Möglichkeiten, entweder selbst zur 3:2-Führung zu treffen, oder, was viel wahrscheinlicher war, zum 2:3 ins eigene Tor zu schießen, was eine Verlängerung mit Golden Goal und einen Zwei-Tore-Sieg für Barbardos ausschloss.

Doch bevor Grenada das eigene Tor attackieren konnte, sahen sie es schon vom Gegner gedeckt. So verrannen die letzten Minuten mit den chaotischen Versuchen Grenadas mal ins eigene mal ins gegnerische Tor zu treffen, und mit den Anstrengungen von Barbardos, beide Tore zu sichern. Das Spiel endete in der regulären Spielzeit mit 2:2, doch bereits in der vierten Minute der Verlängerung gelang Barbardos wirklich das Golden Goal zum 3:2, das als 4:2 gerechnet wurde und den damit verbundenen Trip zur Finalrunde auf Trinidad bedeutete.

Dieses Buch ist in Broschur bei Kiepenheuer & Witsch für 9,95€ erschienen.

1. Dezember 2007 Sachbücher
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