A Short History of nearly everything – Bill Bryson (2003)

Welcome. And congratulations. I am delighted that you could make it. Getting here wasn’t easy, I know. In fact, I suspect it was a little tougher than you realize.

A Short History of nearly everthing – in der deutschen Übersetzung Eine Kurze Geschichte von fast allem – ist ein faszinierender Titel für ein tolles Buch, dass eine ganze Generation an populärwissenschaftlichen Büchern prägen wird. Aufmerksam wurde ich auf dieses Buch, weil ein Literatur-Professor angesichts einer Vorlesung über Distribution von Romanen und anderen Büchern zu Zeiten Goethes immer wieder auf die didaktische Einzigartigkeit von Bill Brysons Meisterwerk abschweifte. Das hat mich mehr als neugierig gemacht. Und als ich 2005 in Liverpool bei Erasmus-Studenten zu besuch war, habe ich mir das Buch gleich auf Englisch gekauft (ich glaube in Deutschland war das Buch gerade eben erst erschienen).

Was ist also fast alles bzw. wie passt das in ein Buch? Es ist eine Geschichte des Universums, der Erde und ihrer Bewohner grob chronologische erzählt und – jetzt kommt der Clou – verknüpft mit der Entstehundgeschichte der Naturwissenschafen (Plural) UND persönlichen Erlebnissen, die Bryson, der – wie er schreibt – keine Ahnung von Naturwissenschaften hat, ihm bei der Recherche widerfahren sind. Von der Astronomie, Geologie, Paläontologie, Anthropologie, Physik, Chemie und Biologie ist alles abgearbeitet. Und zwar nicht als Lehrbuch, sondern erzählend, spannend wie ein Roman, mit einem unwiderstehlichen Gefühl für die Pointe.

If you had to select the least convival scientific field trip of all time, you could do worse than the French RoyalAcademy of Sciences´ Peruvian expedition of 1735. It was a party of scientists and adventurers who travelled to Peru with the purpose of triangulating distances through the Andes.
Almost at once things began to go wrong. In Quito, the visitors somehow provoked the locals and were chased out of town by a mob armed with stones. Soon after, the expedition´s doctor was murdered in a misunderstanding over a woman. The botanist became deranged. Others died of fevers and falls. Why didn’t the French make their measurements in France and save themselves all the bother? The answer lies partly with the fact that eighteenth-century scientists, the French in particular, seldom did things simply if an absurdly demanding alternative was available …

Eine kleine/kurze Geschichte nach der nächsten reiht sich aneinander und es fügt sich tatsächlich ein Bild zusammen, von dem man weiß, dass es nicht vollständig sein kann, aber das sich irgendwie rund anfühlt. Der Sprachwitz, der ja auch schon Bill Brysons Reiseliteratur auszeichnet, macht es natürlich absolut empfehlenswert, dieses Buch auf Englisch zu lesen. Aber wer sich auf diesem Gebiet (und ja, da kommen eine Menge (natur-)wissenschaftlicher Fachausdrücke vor) zu unsicher fühlt, der soll das Buch eben auf Deutsch lesen. Es ist es auf jeden Fall wert.

This is a book about how we went from being nothing at all to there being something, and then how a little of that something turned into us, and also some of what happened in between and since. That’s rather a lot to cover, of course, which is why the book is calles A Short History of Nearly Everything, even though it isn’t really. It couldn’t be. But with a bit luck by the time we finish it may feel as if it is.

Dieses Buch ist in der englischen Ausgabe bei Black Swan in Broschur für 11,95€ und in der deutschen Ausgabe bei Goldmann in Broschur für 9,95€ erschienen.

Kampfabsage – Ilja Trojanow & Ranjit Hoskoté (2007)

Mit diesem Buch gehen die Sachbuchwochen, die ja auf Schoenerlesen.de offensichtlich schon vor Weihnachten eingebrochen sind, nun zu Ende. Versprochen. Außerdem ist diese Rezension der lebensechte Beweis dafür, dass ich Bücher, die ich geschenkt bekomme (in diesem Fall zum Geburtstag und nicht zu Weihnachten), tatsächlich auch lese UND schätze. Auch wenn ich oft viele andere Bücher nebenher lese und ob meiner Arbeit nur wenige wirklich zu Ende schaffe. Trotzdem schenkt mir mehr Bücher. Unter vielen geschenkten Büchern waren doch einige Perlen dabei, ohne die ich vielleicht nie dazu gekommen wäre, dieses Buch-Blog zu betreiben.

Ich muss jedoch vorneweg schicken (und das, obwohl ein Politik-Professor von mir immer sagte, man muss eine Theorie erst stark machen, bevor man sie zerpflückt, sonst wirkt das nicht! – und da hat er im übrigen Recht), dass diese Buch nun wirklich keine Perle im obigen Sinne ist. Neinnein, da stolperte ich schon weit am Anfang des Buches über eine falsche Erklärung wer denn Prometheus war (nein eben kein Olympier) – und das trübt die Glaubhaftigkeit aller anderer Informationen des Buches, die gar zahlreich sind, gewaltig. Das Buch Kampfabsage ist ein verspätetes Gegenwerk zu Samuel Huntingtons Kampf der Kulturen und resümiert im Subtitel “Kulturen bekämpfen sich nicht – sie fließen zusammen”.

Jaja, sie haben ja recht und so, eigentlich unstrittig. Da gibt es eine Menge Austausch und Kulturen und Religionen haben sich schon immer befruchtet und vermengt. Interessant ist die Betonung auf das Zusammenfließen übrigens auch bezüglich des aus der Mode gekommenen Begriffs des Multi-Kulti resp. Multikulti (wenn sich da auch noch die Grünen von distanzieren, wird es bald die ersten geben, die behaupten, so eine Idee habe es noch nie gegeben). Die Idee nämlich, dass fremde Kulturen eben räumlich zusammenleben und doch ihre Identität behalten können, wird hier vollends bestritten. Ich finde das ja eigentlich einen Aspekt, den man ein wenig wehleidiger darlegen könnte, aber Pustekuchen. Harte Realität laut Trojanow und Hoskoté: alles fließt und in diesem Fall zusammen. Man fragt sich natürlich schon, wo dann die ganzen Unterschiede herkommen, die man so tagtäglich auf den Straßen der Großstädte dieser Welt beobachten kann, und ob das nicht angesichts die Geschwindigkeitsteigerung und Informationspotenzierung auch unangehneme Folgen nach sich ziehen kann (Stichwort: Globalisierung). Geschenkt. Schenken tun sich die Autoren das auch. Da ist keine Perspektive, die sich abzeichnet und alles wirkt wenig zu Ende gedacht.

Zudem wirken viele Informationen einfach sehr stark dahin geworfen. Man merkt den Kapiteln deutlich an, welcher der beiden Autoren ihn denn gerade geschrieben hat. Da wird berichtet über das Zusammenfließen von Jüdischer (also zunächst polytheistischer) und iranischen Religionen (hauptsächlich der monotheistische Zoroastrismus) im babylonischen Exil. Das Zusammenleben der Juden und Christen unter muslimischer Herrschaft auf der iberischen Halbinsel über Jahrhunderte. Die Weiterentwicklung wichtiger philosophischer und kultureller Ansatze durch islamische Gelehrte, während des dunklen Mittelalters in Europa, und die Weiterentwicklung dieser islamischen Bearbeitungen durch Christen in der Renaissance, ohne dass die entsprechenden islamischen Gelehrten in späteren Jahrhunderten bis heute in ihrem Beitrag angemessen respektiert wurden. Dann sind da noch die vielen Kapitel über den Hinduismus, der sich heutzutage ja auch hat von Extremisten verblenden lassen, und dass obwohl viele der hinduistischen Götter ihren Ursprung in ganz anderen Religionen (auch der klassisch-griechischen) haben und durch Händler und Gastarbeiter ins Land gebracht wurden. Die Mitschuld der Briten am Desaster in Indien wird nur kurz thematisiert. Allesamt spannende Themen und nett aufbereitet, wenn – ja wenn da nicht die Quellen wären. Vieles kommt in einem etwas plaudernden Ton daher, und da fallen die kühnen Herleitungen doch etwas schwerer zu glauben. Quellenangaben – leider viel zu selten (und ich viel zu faul nach hinten zu blättern). Und wenn ich jetzt bei Perlentaucher (FAZ-Rezension vom 19.11.07) nachschlage, finde ich die gleiche Kritik, in viel komplizierteren Worten:

Diesen Versuch, statt Huntingtons “Kampf der Kulturen” ein Ineinanderfließen der Kulturen darzustellen, sieht Michael Jeismann als gescheitert an. Den beiden Autoren Ilija Trojanow und Ranjit Hoskote wirft Jeismann “unhistorisches” Vorgehen vor, wenn sie von muslimisch begründeten westlichen Werten schreiben. Dass die Autoren dabei auf die Binsenweisheit von der Wechselseitigkeit kultureller Einflüsse zurückgriffen, erscheint dem Rezensenten dabei eher unproblematisch, verglichen mit der von ihnen gewählten Argumentationsweise. Die nämlich, findet Jeismann, führt zu eben jener “Essentialisierung von ‘Kulturen’”, die zu widerlegen die Autoren angetreten sind. Das Resultat nennt Jeismann das Gegenteil einer politisch-historischen Kulturgeschichte und als solches unfruchtbar.

Dennoch, ich fand das Buch spannend zu lesen, weil es eine ganze Menge, leider nicht ganz so bewiesener, Zusammenhänge zwischen den Kulturen herauskramt und entstaubt. Wo unsere Wurzeln sind, da reichen die Wurzeln des Islam und des hinduismus schon lange hin. Zeit sich auf seine Wurzeln zu besinnen – aber doch bitte ohne Identitäten aufgeben zu müssen.

Dieses Buch ist aus dem Englischen von Heike Schlatterer übersetzt bei Heyne als Taschenbuch für 8,95€ erschienen.



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