Neither here nor there – Bill Bryson (1991)

Seit Michael Moore weiß man ja, wenn Amerikaner über Europa (in diesem Fall ganz besonders über Deutschland) versuchen eine Aussage zu treffen oder gar dokumentierend durch unsere Gefilde streichen, dabei dann auch noch versuchen witzig zu sein, ist höchste, nein allerhöchste Vorsicht geboten. Das ist natürlich schwierig: man selbst kommt aus einem Land, in dem die eigenen Vorfahren alles zerstört haben, was man aus europäisches Sicht als Kultur bezeichnen könnte. Übrig bleibt – übrigens ähnlich wie sich das für die verklärt freundlichen Australier darstellt – die Natur als Zuflucht für Tourismen.
Wenn ein Amerikaner also nach Europa kommt, um dort zu Reisen, ist es schon ein wenig verwirrend, dass hier eben keinen unvergleichlichen Naturschauspiele sondern eben wenig gleichförmige Kultur im Vordergrund touristischen Erlebens stehen. Die Japaner sind glücklich in Heidelberg und Neuschwanstein, dort wie geht der vielgereiste amerikanische Intellektuelle an so eine Europareise?
In winter Hammerfest is a thirty-hour ride by bus from Oslo, though why anyone would want to go there in winter is a question worth considering. It is on the edge of the world, the nothernmost town in Europe, as far from London as London from Tunis, a place of dark and brutal winters, where the sun sinks into the Arctic Ocean in November and does not rise again for ten weeks.
Bryson wollte das Nordlicht sehen. Das kann man natürlich so gut. Ebensowenig wie einem norwegischen Busfahrer verständlich machen, dass ein Ticket, das auf Bill Bryson ausgestellt ist, mit dem William McGuire Bryson aus dem Reisepass übereinstimmt. Das ist natürlich hart und Bryson verpackt seine zahlreichen Reisen in Europa in nicht chronologisch sortierte Episoden, in denen er von schrulligen Abenteuern in einem Kontinent erzählt, der uns manchmal bekannt vorkommt. Lerneffekte nicht ausgeschlossen.
I still had the American habit of thinking of Europe as one place and Europeans as essentially one people. For all that you read that Denmark’s per capita gross domestic product is forty per cent higher than Britain’s, the Danes don’t look forty per cent richer than the British, they don’t wear forty per cent shinier shoes or drive forty per cent bigger cars.
Die Reiseberichte von Bill Bryson, der über sein Heimatland USA, England und vor allem über Australien großartig erfolgreiche Bestseller schrieb, haben ihn berühmt gemacht. Seine Kurze Geschichte von fast allem setzten seiner literarischen Tätigkeit mit der Beschreibung der kompletten Naturwissenschaft in nur einem Buch die Krone auf. Dazwischen liegt Neither here nor there und wer bereit ist sich von einem ahnunglosen kulturbanausigen US-Amerikaner augenzwinkernd die Welt erklären zu lassen, der soll sich doch an dieses Buch wagen. Am besten auf Englisch!
Dieses Buch ist derzeit als Taschenbuch für 9,21€ erhältlich.
Schlagwörter: Europa, Reiseliteratur


