Die Kathedrale der Erinnerung – Jack Dann (1995)

Ich kann mich an kein Buch erinnern, dass ich in meiner Jugendzeit gelesen hab, welches mehr Seiten hat als dieses. Jetzt muss man dazu sagen, dass ich ein absoluter Lesemuffel war und ehrlich gesagt auch immer noch bin. (Wie das bei einem graduierten Germanisten geht, verrate ich ich nicht.) Wieso habe ich mich durch diese über 700 Seiten eben nicht durchgequält, sondern sie wirklich gelesen?

Das Buch beschreibt die faszinierende Biographie des Leonardo da Vinci, dem als Querdenker und Wissensbegieriger das Florenz der Medici viel zu eng ist. Er ist getrieben von Neugier und seiner Liebe zur schönen Ginerva, doch eine tragische Wendung führt ihn bis an den Rand der bekannten Welt und darüber hinaus. Seine Erinnerungen sind ein multikultureller Erfahrungsschatz aus dem noch Jahrhunderte später im rückständigen Europa Zukunft geschöpft werden sollte.

Das ganze funktioniert dann im Aufbau tatsächlich so ein bisschen wie Dan Brown – nur halt ohne große, böse Verschwörung. Stattdessen eben mit der Phantasie eine der faszinierensten Vitas der modernen europäischen Geschichtsschreibung weiterzudenken. Wer dieses Buch gelesen hat, braucht keinen Medicus und ähnliche Romane. Jack Dann hat den historisierenden Roman für mich mit diesem Werk festgesteckt. An ihm führt im meinem Bewertungssystem historischer Romane kein Weg vorbei, und das, obwohl es nur pseudo-historisch ist.

Dieses Buch ist bei Bastei-Lübbe broschiert für 6,00€ erhältlich.



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