Kabale und Liebe – Friedrich Schiller (1784)
Der Stadtmusikant Miller, die heimliche Hauptfigur dieses Werkes, schreit sein Motto in die Welt hinaus. Umhüllt von einem kraftvollen Romeo und Julia-Plot lässt der damals noch junge, stürmende und drängende Autor Friedrich Schiller zwei Parallelwelten aufeinander prallen.
Das “bürgerliche Trauerspiel” ist ein Paradevertreter des Sturm und Drang, quasi der ästhetischen 68er-Bewegung des 18. Jahrhunderts. Es ist so einfach gestrickt, fast einfältig – heute würde man vielleicht straight sagen -, dass es dem Leser nun wirklich nicht schwer fällt Gut und Böse auf die Hauptakteure des Bürgertum und der Aristokratie zu verteilen. Dort die Intriganten, hier die Opfer. Diese einfache, ja eben einfältige Differenzierung macht einen so kraftvollen Umgang mit Personenkonstellationen möglich, dass es so förmlich kracht.
Gerne erinnere ich mich an die Verfilmung von Leander Haußmann mit August Diehl als Ferdinand und einigen sehr bekannten Gesichtern des deutschen Films. Es ist so romantisch wie selbstzerstörerisch und aufopferungsvoll hier im Namen der Liebe und des geschundenen Bürgertums aufbegehrt wird. Da gehen die kleinbürgerlichen Aufstiegshoffnungen ja fast unter, wenn den Aristokraten als Negativum der Soldatenverkauf ins ferne Amerika angelastet wird.
Auch sprachlich setzt Schiller mit diesem Werk gewaltiges um. Derbe Sprache – wie man sie auch aus Die Räuber kennt – wechseln sich mit den gehobenen Sprachniveau des Adels ab. Und während Ferdinand im vollen Pathos nach seinem Recht zu Lieben und seiner Ehre als selbstbestimmtes Wesen schmachtet, ist Luise Miller um Meilen weniger emotional ausgearbeitet. Für sie gibt es tatsächlich nur die Liebe. Herzzerreißend und revolutionär.
Halten zu Gnaden. Ich heiße Miller, wenn Sie ein Adagio hören wollen–mit Buhlschaften dien’ ich nicht. So lang der Hof da noch Vorrath hat, kommt die Lieferung nicht an uns Bürgersleut’. Halten zu Gnaden. (…) Deutsch und verständlich. Halten zu Gnaden. Euer Excellenz schalten und walten im Land. Das ist meine Stube. Mein devotestes Compliment, wenn ich dermaleins ein pro memoria bringe, aber den ungehobelten Gast werf’ ich zur Thür hinaus–Halten zu Gnaden. (…) Das war nur so meine Meinung, Herr–Halten zu Gnaden.
Dieses Buch ist als Reclamheft für 2,60€ erschienen.
Schlagwörter: Drama, Liebe, Ständegesellschaft, Sturm und Drang


