
Ein Buch aus Deutschland mit einer weltweit Wahnsinnsrezeption und Wirkung, noch keine 10 Jahre alt? Da denkt man ja an vieles – bzw. man versucht sich ein solches Buch zu denken – nur nicht an Judith Hermann. Sommerhaus, später ist eine Sammlung von neun Kurzgeschichten präsentiert von einer, so vermute ich, unfassbar charmanten Literatin, die maßgeblich zu einem neuen Fräuleinwunder in der Literatur der späten 90er Jahre beigetragen hat.
Das wir uns nicht falsch verstehen. Mit Pop-Literatur hat dieses Buch eher wenig zu tun, wobei hier schon eine Großstädter-Bohème gezeichnet wird, die durchaus auch mal mit Drogen und exzessiver (Pop-)Musik in Berührung kommen. Doch die Erzählweise Hermanns ist viel zu unterkühlt, ja fast konservativ, während sie über die jungen Leute schreibt. Noch dazu schafft sie es mit der überragenden Erzählung “Hurrikan (Something farewell)” eine Keimzelle zu schaffen, in der Karibik spielend, die mich nachhaltig fasziniert.
Als ich das Buch das erste mal gelesen habe, war ich gerade in Danzig auf “Danziger Trilogie“-Exkursion und hatte obwohl ich Grass’ Hundejahre nicht ganz gelesen, trotzdem für diese Freizeitlektüre entschieden und so fanden sich auch einige Museumstickets in polnischer Sprache in dem Buch. Nice! Und genau dieses Strand-Sommerfeeling von damals geht mit der schwülen Geschichte von zwei Frauen auf einer Karibikinsel bei einem Mann und noch einem Mann einher (eine Konstellation, die in dem Buch nicht einmalig bleiben wird). Da ist ein Sturm der bedroht diese allgemeine Lethargie und die Frauen spielen ein Spiel.
Das Spiel heißt “Sich-so-ein-Leben-vorstellen”. Man kann es spielen wenn man auf der Insel abends bei Brenton sitzt, man sollte zwei, drei Zigaretten rauchen und Rum-Cola trinken. Gut ist es, ein kleines, schlafendes Inselkind auf dem Schoß zu haben, dessen Haar nach Sand riecht. Auch der Himmel müsste hoch sein, am besten sternenklar, es sollte sehr heiß sein, vielleicht auch schwül. Das Spiel heißt “Sich-so-ein-Leben-vorstellen”, es hat keine Regeln.
“Stell dir vor”, sagt Nora. “Stell dir vor.”
Und das ist es und ist es irgendwie nicht. Da gibt es Vorgeschichten, die Judith Hermanns Erzählungen maßgeblich beeinflussen, ohne dass man sich in einen Plot geworfen fühlt. Sie erzählt nachdem etwas passiert ist und der Leser genießt die Stimmung und die Unstimmigkeit und kann sich tatsächlich ein wenig durch die Motivationen und Gefühlswelten der Akteure hineinarbeiten. So macht lesen Spaß.
Als Fischer Taschenbuch für 7,95€ erhältlich, auch als Geschenk eine prima Empfehlung.

Hallo,
das Buch gefällt mir sehr. Aufgrund des Erzählbandes schreibe ich meine Diplomarbeit.
Ich hätte gerne E-mail von Judith Hermann.
Ich wäre sehr dankbar
Hallo, ich beschäftige mich mit der Übersetzung von Erzählungen von Judith Hermann unnd ich würde gerne an die Autorin ein paar Fragen stellen. Ich hätte gern auch die E-mail von der Autorin.
Vielen Dank!
Hallo,
ich schreibe meine Facharbeit über dieses Buch und schließe mich meinen Vorschreiberinnen an, auch für mich es wäre sehr hilfreich, mit der Autorin Kontakt aufnehmen zu können, um ihr einige Fragen zu stellen. Gibt es da denn eine Möglichkeit, bspw. eine E-Mail Adresse der Autorin?
Vielen Dank im voraus!