
Der Campus Verlag, für den ich ja mal kurz praktiziert habe, hat eine Reihe von Jugendbüchern ins Leben gerufen, die wundervoll verdichtet und doch unglaublich anschaulich Geschichte erzählt. Und das erstaunlichste daran ist, dass sich diese Bücher auch als Erwachsener immernoch gut lesen lassen. Und das ist tatsächlich ein wenig mehr als nur ein Auffrischen von Wissen und Erinnerungen. Da ich nicht die ganze Serie vorstellen will, konzentriere ich mich auf das erste Buc, das sich – klar – mit der Geschichte der Deutschen befasst.
Gut, ich muss zugeben ich bin ein wenig voreingenommen. Das Nachfolgebuch Cowboys, Gott und Coca-Cola – Die Geschichte der USA habe ich immerhin mitlektoriert, aber als ich nach Ende des – wie immer im Verlagswesen – unbezahlten Praktikums einen Büchergutschein von Büchern des Campus Verlags bekommen habe, war dieses Buch eines der ersten die auf meiner Wunschliste standen. Warum? Ich glaube es liegt tatsächlich nicht nur am Text allein, sondern auch an der Aufmachung und der Illustration. Das Buch ist in Leinen gebunden, was schon mal toll ist und ein großartiges Lesegefühl vermittelt und die Illustrationen, die irgendwie zwischen Comic und Kollage schwanken, sind tatsächlich künstlerisch anspruchsvoll und zugleich treffend.
Zudem ist das Buch eben nicht chronologisch, sondern ausschweifend und setzt auch konsequenterweise auf zahlreiche Exkurse zu wichtigen und markanten Persönlichkeiten der deutschen Geschichte (z.B. Martin Luther, August Bebel, Rudi Dutschke). Die sind dann teilweise 2-3 Seiten lang. Und dass, obwohl Wilhelm von Sternburg ja auf 300 Seiten die deutsche Geschichte von den Kelten und Germanen bis zur Wiedervereinigung erzählen muss. Eigentlich ist da ja nicht viel Platz, sollte man meinen.
Was das Buch nicht hat, sind zitierfähige Passagen, die man hier mal kurz einwerfen könnte. Deshalb blättere ich ganz ans Ende des Buches und schließe mit dem Fazit, dass Wilhelm von Sternburg zieht und die gleichsam mit einer Anspielung auf die Rezension von letzter Woche beginnt:
Geschichte kennt kein Ende. Auch die Krise unserer Tage ist ein Zeichen tiefer Umbrüche, wie sie immer wieder bei den großen Epochenumbrüchen der Weltgeschichte sichtbar werden. Das Schlagwort von der Einen Welt hat ein neues Gewicht erhalten. Handel und Industrie, Finanzpolitik und Börsenspekulationen haben nicht nur zu einer Globalisierung der Wirtschaft, sondern auch zu der Globalisierung der Krise geführt. Die wichtigste Aufgabe der Politik wird es zweifellos werden, die Herrschaft der Ökonomie zu brechen. (…)
Wir wissen es: Aus der Geschichte zu lernen, ist eine schwierige Sache. Jede Zeit stellt ihre Forderungen. Alles ist immer offen. Die Menschen entscheiden über ihr Schicksal und nicht irgendwelche anonymen Mächte. Die Deutschen haben über viele Jahrhunderte hinweg nicht ohne Selbstmitleid alle Krisen und Kriege, Niederlagen und Demütigungen auf die “anderen” geschoben. (…) Frieden hat es in Europa erst gegeben, als die nationale Engstirnigkeit überwunden war. Wo das nicht geschah, starben wieder Menschen im Krieg. Die deutschen Beiträge zu einem gemeinsamen Europa sind beachtlich gewesen. Es waren Schritte, die auch ihre Republik stabilisiert haben. Aber um den Erhalt der Demokratie müssen die Bürger immer kämpfen. Das gilt für jede Generation.
Achja, jetzt bleibt natürlich irgendwie die Frage offen, für welche Altersstufe dieses Jugendbuch denn geeignet ist. Das ist schwierig für mich zu beantworten. Ich glaube mit 15-16 hätte ich es verschlungen, aber wie gesagt, das habe ich mit 25-26 ja auch…
Dieses Buch ist bei Campus in Leinen gebunden für 19,90€ erschienen.

