
Die Götter müssen verrückt sein. Also die finnischen Götter… und statt verrückt sind sie eigentlich eher erzürnt. Sie waren schon seit Anbeginn der Zeit und vor allem anderen. Aber trotzdem glauben die Finnen an diesen christlichen Gott, nur weil der seinen Sohn auf die Erde schickte … Moment mal. “Komm doch mal rauf, Bubb’!” um ein wenig Badesalz zu zitieren. Was dieser Jesus vor 2000 Jahren konnte, das kann der auch.
Das ist ein schlagendes Argument, dem kann sich auch Rutja der Sohn des Donnergottes nicht widersetzen; und er fährt hinab auf die Erde, um in Menschengestalt des stillen Antiquitätenhändlers Sampsa Ronkainen unter anderen finnischen Menschen zu wirken. Arto Paasilinna besticht immer mit einer skurrilen Ausgangsidee und trifft wie kaum ein anderer finnischer Autor die ureigene Mystik der finnischen Volksseele. Ich war ja selbst ein knappes Jahr in Finnland und das Aufeinandertreffen mit Finnen kann sich jederzeit in eine wundersame Begebenheit verwandeln. (Zwei Frauen in einer Bar, die einen ganzen Abend teuren Rotwein trinken und kein Wort miteinander reden, dies aber auch nicht vermissen. Bärtige Mitfünfziger, die im Vollsuff ihre homoerotische Ader ausleben wollen. Polizisten, die zum Auflösen eines Grillabends mit Schlagstöcken in der Hand kommen.) In Verbindung mit der großartigen Weitläufigkeit und Einsamkeit dieses Landes ergibt sich ein Fszinosum, dem auch Finnen selbst ganz gerne erliegen.
Ob dies auch der Grund für die hohe Anzahl an Depressionskrankheiten und Selbstmorden ist, sei jetzt mal dahin gestellt. Auffallen tut dies dem Sohn des Donnergottes jedoch zugleich. Er beschließt, wie Jesus einst, die Kranken zu heilen und macht eine Heilanstalt auf, um das finnische Volk zu gesunden und zum wahren Glauben an die finnischen Götter zurückzubekehren. Natürlich sorgt das für allerlei Trubel, denn so richtig beschäftigt hat er sich mit den Menschen natürlich bisher nicht.
Arto Paasilinna veröffentlicht schon seit Jahren jedes Jahr im Herbst ein Buch. Seinen Schreibstil muss man vermutlich als magischen Realismus zwischen Eiseskälte und Saunahitze verorten. Da man leider von der finnischen Filmkunst gar nicht so viel mitbekommt, wenn man in Finnland lebt, weil diese Filme dann die einzigen sind, die nicht untertitelt werden – das wurde mirerst vorort schmerzlich bewusst – habe ich mir dann mit diesem Autor das richtige Stückchen finnische Literatur organisiert. Das Buch ist also für einen sommerlichen Finnlan-Urlaub ganz besonders geeignet. Liest sich aber bestimmt auch im finnischen oder deutschen Winter ganz prima.
Dieses Buch ist als Taschenbuch bei Bastei Lübbe mittlerweile für 4,99€ erschienen.

