Fahrenheit 451 – Ray Bradbury (1953)

Es war eine Lust, Feuer zu legen.

Ein absoluter Klassiker der Science Fiction Literatur. Das mit dem Science Fiction würde ich gerne später erklären, denn auch wenn der Plot wohl jedem bekannt sein sollte (immerhin über 50 Jahre nach Ersterscheinung, und das schafft kaum ein Buch), will ich kurz den Inhalt skizzieren:
In nicht allzu ferner Zukunft gibt es eine Gesellschaft ohne Kultur, Kunst und Emotion. Kalt versachlicht und medial bombardiert bis in die letzte Ecke des Privaten lassen sich die Menschen berieseln. Dabei ist diese Gesellschaft völlig entgrenzt und egalisiert, es gibt keinen Feind, keine gesellschaftlichen Konflikte, keinen Krieg, um diese Form des Lebens aufrecht zu erhalten. Es reicht die Abstumpfung durch das multimediale Fernsehprogramm.
Das Buch wird erzählt aus der Perspektive eines Feuerwehrmanns (original “fire brigade”), wobei sich die Feuerwehr eben nicht darum kümmert Brände zu löschen (die Wohnungen sind in der Zukunft alle feuerfest gebaut), sondern die Aufgabe hat Bücher und andere emotionale Medien insbesondere Bücher zu verbrennen. Bücher zu besitzen oder gar zu lesen gilt als schwerstes Verbrechen und die Feuerwehr verfolgt dies unerbittlich. Fahrenheit 451 (232,78°C) ist die Temperatur bei der Bücher zu brennen beginnen.
Der systemtreue Feuerwehrmann Guy Montag also lernt ein junges 17-jähriges Mädchen Clarisse kennen, und muss feststellen, dass sie mit ihrem Großvater eine Bibliothek besitzt und der geheimen Bücherbewegung angehört. Er beginnt am System zu zweifeln.

“Ich hatte einen netten Abend,” sagte [seine Frau] vom Badezimmer aus.
“Was gab’s?”
“Programme.”
“Was für Programme?”
“Die besten seit langem.”
“Wer?”
“Ach, du weißt doch, der ganze Verein.”
“Ja, der ganze Verein.” Er presste die Hand gegen die schmerzenden Augen, und plötzlich bewirkte der Geruch von Kerosin, dass er sich erbrechen musste.
Mildred kam summend herein und blieb verdattert stehen. “Was soll denn das?”
Angewidert besah er sich die Bescherung am Boden. “Wir haben eine alte Frau mitsamt ihren Büchern verbrannt.”
“Es ist nur gut, dass sich der Teppich waschen lässt.” Sie holte eine Bürste und bearbeitete den Teppich.

Großartig wie sich Gefühle mit der Repräsentation Buch hier der Technik zur letzten Schlacht entgegen stellen. Das totalitäre Regime, dass damals (McCarthy-Ära) wie auch heute (siehe Verfilmung Equilibrium) gerne in den Vordergrund gestellt wird, ist tatsächlich nur die Folie vor der sich die eigentliche Medienkritik abspielt. Es ist also gar nicht so sehr Freiheit statt Diktatur sondern Buch statt fernsehen. Zugegeben: das wertet das Buch ob der fast einfältigen Plattitüde deutlich ab. Leider passt das auch in das Gesamtwerk Bradburys, der ja kein großer Romancier, sondern vielmehr ein Science-Fiction-Kurzgeschichtenschreiber war. Das konnte er ziemlich gut, so gut, dass er in seinen großartigsten Momenten eben ein Werk schreiben konnte wie Fahrenheit 451, dass sich in unser aller kollektives Gedächtnis eingebrannt hat, und dass sogar die Amerikaner noch assoziieren können (man denke an Fahrenheit 9/11), und dort so denkt man hier, haben die Bücher den Kampf gegen das Fernsehen ja eigentlich schon lange verloren. Oder etwa doch nicht?

Fahrenheit 451 ist bei Heyne als Taschenbuch für 7,00€ erschienen.



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